Gemeinsam Lesen #22 – „Leere Herzen“

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Guten Morgen zusammen! Heute stellt ein Kollege aus der Zweigstelle Querenburg seine Lektüre vor. Diesmal machen wir einen Ausflug durch Politik & Gesellschaft der nahen Zukunft …

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Leere Herzen“ von Juli Zeh und bin auf Seite 307.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Die ‚Empty Hearts‘ planen einen Putsch“, sagt Hatz. „Sie wollen die BBB-Regierung beseitigen und Merkel wieder ins Amt setzen.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Entstehungszeit des Romans, Plot und Setting sprechen für sich. Das Buch ist um 2015 herum geschrieben worden, die Handlung spielt im Jahr 2025. In Deutschland regiert die BBB (Besorgte-Bürger-Bewegung), eine populistische Rechtsaußenpartei. Wie konnte das passieren …? Ein Indiz für die allgemeine Stimmung im Jahr 2025 ist das Ergebnis einer im Roman zitierten (fiktiven) Umfrage: Wenn die Menschen in Deutschland sich zwischen freien Wahlen und einer neuen Waschmaschine entscheiden dürften, was würden wählen? Die Mehrheit der Bevölkerung entschied sich für eine neue Waschmaschine … Nach der Abdankung Merkels entstand das Paradox, dass die Nicht-Demokraten zur Wahl gingen, um die BBB zu wählen und die „Altdemokraten“ aus Frustration die Wahl boykottierten. So hatte die BBB leichtes Spiel. Mit sogenannten „Effizienz-Paketen“ schaffen sie Schritt für Schritt komplizierte demokratische Institutionen ab und erleichtern damit das Durchregieren ohne viel Palaver. Klare Kante überall. So ist eine Gesellschaft der moralisch Dickfelligen entstanden: man ist nüchtern, pragmatisch und desillusioniert. Die Mittdreißigerin Britta passt genau in diese Zeit. Einerseits hat sie sich bis zur Unsichtbarkeit an den Durchschnitt angepasst (wozu auch ihre bewusste Wohnortwahl Braunschweig, als „mittelgroße Stadt“ gehört) andererseits betreibt sie mit dem Informatiker Babak die Psychotherapie-Praxis „Brücke“, die mit Hilfe eines ausgetüftelten Algorithmus in den Sozialen Medien nach möglichen Selbstmordkandidaten fischt, um sie zu therapieren. Das tut sie mit Erfolg. Aber die wenigen Nicht-Therapierbaren, vermittelt die „Brücke“ gegen Honorar an Islamisten und andere militante Gruppen damit sie Selbstmordattentate begehen. Der Staatschutz scheint das heimlich zu billigen und zieht einen zynischen Vorteil daraus: Die Attentate finden in einem überschaubaren Rahmen mit überschaubaren Todeszahlen statt, und die Bevölkerung ist ausreichend beunruhigt. Das gesamte Vorgehen passt in eine Gesellschaft, in der Pragmatismus und nüchterne Berechnung die letzten Reste von Moral abgelöst haben. Eine Hoffnung auf eine bessere Welt ist längst begraben. Am Ende des Romans aber, trifft Britta die richtige Entscheidung — meiner Ansicht nach. Welche Entscheidung verrate ich hier natürlich nicht. Das Buch ist in der Literaturkritik nicht allzu gut besprochen worden (ein Kritikpunkt: zu viele Dialoge … hä?), doch ich finde, dass diese spannende Halb-Dystopie beklemmend gut in unsere Zeit passt: auch wenn Populisten gerade andere Themen haben, als Juli Zeh kurz nach der Aufnahme von Flüchtlingen in der Bundesrepublik.

4. Wann hast du angefangen Bücher zu verschlingen und gab es Phasen, in denen du nicht oder nur wenig gelesen hast?

Das erste Buch, das ich mit 7 oder 8 Jahren geradezu verschlungen habe, war „Fliegender Stern“, die Geschichte über einen kleinen Indianerjungen von Ursula Wölfel. Danach kam in den 70iger Jahren (ich bin Jahrgang 67) eine 6-teilige Verfilmung der „Geheimnisvollen Insel“ von Jules Verne. Anschließend musste ich möglichst alles von Jules Verne lesen, auch wenn ich ein bisschen enttäuscht war, dass seine Bücher nicht so spektakulär ausfielen, wie die Verfilmungen. Wer heute einmal in die o.g. Fernsehserie mit Omar Sharif reinschaut, mag sich sagen: und das ist gut so! Die Phase, in der ich am wenigsten gelesen habe, ist leider die jüngste Vergangenheit. Es fehlt einfach an Zeit. Manchmal brauche ich für ein Buch mittlerer Schwere einige Wochen … und es darf nicht zu schwer sein, für den Fall, dass es mir abends ins Gesicht fällt …

(TE)

Ein Kommentar zu „Gemeinsam Lesen #22 – „Leere Herzen“

  1. Hallöchen,
    also das Buch sagt mir so absolut gar nichts und ganz ehrlich ich werde es wohl nie lesen. Nachdem was du nun geschrieben hast merke ich, dass es absolut kein Buch für mich ist. Dir aber weiterhin viel Vergnügen damit.
    Ganz Liebe Grüße
    Jessie von Just some Bookstories

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