Gemeinsam Lesen #27 – „Joseph und seine Brüder“

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1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese derzeit Thomas Manns Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ und bin auf Seite 1554 (entspricht Band 4: „Joseph, der Ernährer“).

Sommerurlaub auf Balkonien und in Ägypten. Der Kommentarband liegt parat und der kleine Groot denkt sich seinen Teil.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Nur gut, daß nun das Gespräch zwischen Pharao und Joseph, das zur Erhöhung des Verstorbenen führte, so daß er groß gemacht war im Westen, – daß dieses berühmte und dabei fast unbekannte Gespräch , welches die anwesende Große Mutter nicht mit Unrecht als ein Gottes- und Göttergespräch bezeichnete, nun von Anfang bis Ende, nach allen seinen Windungen, Wendungen und konversationellen Zwischenfällen wiederhergestellt und für immer in aller Genauigkeit festgehalten ist, sodaß jeder den Gang verfolgen kann, den es seinerzeit in Wirklichkeit nahm, und, wenn er einen Punkt vergessen hat, nur aufzuschlagen und das Entfallene nachzulesen braucht.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Diesen fabulierlustigen Entwurf der Josefsgeschichte darf man wohl in die Kategorie „Lektürelangstrecke“ einordnen. Ein gutes Jahr bin ich nun immer mal wieder, Band für Band, eingetaucht in Thomas Manns umfangreichstes Romanwerk. Aber es hat ja auch keine Eile damit! Der alttestamentliche Stoff ist wohl den meisten vertraut („Go, go, go Jospeh“ …), da fiebert man nicht im Buchseitenvorbeirauschen der ersehnten Auflösung der Geschichte entgegen. Nein, man genießt und schwelgt in Stil- und Wortschmuck der mäandernden Satzkunstwerke (das Beispiel oben gibt einen ersten Eindruck, vor allem von der ironischen Note dieser erzählerischen Neubelebung). Und hat in der wunderbaren „Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe“ die Gelegenheit, sich mit Hilfe der separaten Kommentarbände die theologischen, mythischen und ägyptologischen Bezüge und Zusammenhänge näher zu erschließen. Wenn dies denn der eigenen Lektüreneigung entspricht. Allein der Zeiteinsatz für über 4000 Seiten! Kann ich niemandem empfehlen. Aber ich habe bislang jede Leseminute genossen.

4. Ist dir bei deiner Buchauswahl wichtig, wer das Buch geschrieben hat, oder entscheidest du rein nach Klappentext?

Ein bereits vertrauter Name und ein damit verbundenes positives Leseerlebnis haben schon häufig meine Buchauswahl gelenkt, so auch übrigens in diesem Fall. Bei mir unbekannten Autoren zählt natürlich vor allem der Klappentext. Ich lese ja kein Buch, bloß weil der Schriftsteller einen tollen Nachnamen hat! Eine gewisse Abneigung hege ich gegen das Phänomen, bei dem sich hinter einem Pseudonym mehrere Schreiberlinge verstecken. Riecht mir zu sehr nach Verkaufsstrategie. Und insbesondere bei Sachbüchern werfe ich immer einen Blick auf die Autorenbeschreibung – irgendwelche selbsternannten Gurus kommen mir nicht in die Tüte.

(fs)

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