Spielerei digital: Guacamelee

Was fällt dir spontan zum Thema Oktober ein? Vermutlich wirst du an düstere Dinge wie Zombies, Tod, Angst und Schrecken denken. Schließlich findet an Oktober Halloween statt, der Tag, an dem bekannterweise „alle bösen Geister wach werden“ und allerlei unheimliche Gestalten durch die Straßen spuken.

In Mexiko verbindet man den 31. Oktober jedoch mit Freude, Spaß und Feiern. An diesem Tag fängt nämlich der Día de los Muertos an, an dem die Seelen der Verstorbenen ihre Familienmitglieder besuchen und mit ihnen das Leben feiern. Bunte Feste, fröhliche Musik und aufwändige Kostüme sind nur drei der vielen Dinge, die den Día de los Muertos ausmachen. Besonders interessant wird es allerdings, wenn man diesen Feiertag als Inspiration für ein Videospiel verwendet, denn genau das passiert in Guacamelee.

Fray Ayayay (oben rechts) kann zwar im Kampf gegen die Skelette nicht mitmischen, dafür weiß er aber, wie man einen Luchador anfeuert (c)Screenshot der Verfasserin

In diesem Spiel steuert man Juan Aguacate, einem Agavenbauern, der in der Nähe der Kleinstadt Pueblucho wohnt. Seit seiner Kindheit träumt er davon, ein Luchador zu werden – in Juans Welt ist der Sport Lucha Libre eine sehr ernste Angelegenheit; sogar eine Luchador-Kirche gibt es in Pueblucho! – aber ständig hält ihn etwas davon ab, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. So verbringt er ein ruhiges, wenn auch etwas ereignisloses Leben.
Am Día de los Muertos jedoch wird Pueblucho von der Skelett-Armee von Carlos Calaca angegriffen, welcher Lupita, die Tochter von El Presidente und Juans beste Freundin, entführen will, um sie in einem finsteren Ritual zu opfern. Juan versucht, einzugreifen, wird jedoch von Carlos getötet. Hört sich zunächst an, als wäre Juans Geschichte an dieser Stelle zu Ende, nicht wahr? Allerdings dreht sich für Juan schnell das Blatt zum Guten: In der Welt der Toten findet er eine Luchador-Maske, welche ihn nicht nur in einen durchtrainierten Luchador verwandelt, sondern ihm auch ermöglicht, zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten zu wechseln. Mit diesen Kräften ausgestattet macht sich Juan auf, um Lupita vor Carlos zu retten…

Ob es Juan schafft, dem Alebrije zu entkommen? (c)Screenshot der Verfasserin

Wer mit mexikanischer Mythologie, Folklore und Kunst vertraut ist, wird schnell viele Anspielungen finden, zum Beispiel den Alebrije, der eigentlich eine harmlose bunte Pappmachétierfigur ist,  in Guacamelee jedoch zu einer riesigen drachenähnlichen Kreatur wird, der sich Juan stellen muss, oder die Olmekenköpfe, welche Juan benutzen kann, um von einem Ort zum anderen zu reisen. Maya-Fans werden sich auch über die wunderschöne und gleichzeitig gefährliche Hexe X´tabay freuen, welche im Spiel eine von Carlos Calacas Schergen ist.

Auch die Musik trägt viel zur Atmosphäre des Spiels bei: Man hätte einfach typisch mexikanische Musik nehmen können, aber die Komponisten sind noch einen Schritt weitergegangen und haben diese Musikrichtung zusätzlich mit Chiptune kombiniert, was dem Soundtrack einen einzigartigen Klang verleiht. Das Ergebnis kann sich hören lassen, besonders in actionlastigen Passagen. Erwähnenswert ist auch, dass jedes Gebiet zwei Versionen der dazugehörigen Hintergrundmusik hat: eine normale Version für die Welt der Lebenden und eine Version für die Welt der Toten, welche durch die hinzugefügten Synths und Echoeffekte die Übernatürlichkeit des Jenseits besonders gut zum Ausdruck bringt.

Auch in der Welt der Toten gibt es viel zu lachen (c)Screenshot der Verfasserin

Aber wie steht es um das eigentliche Spiel?
Da haben wir zum einen das Kampfsystem: Dank der leicht zugänglichen Steuerung kann man sich schnell mit Juans Wrestlingmoves vertraut machen, allerdings stehen ihm zu Beginn nicht viele Angriffe zur Verfügung. Wenn er jedoch Choozo-Statuen zerstört, die überall in der Spielwelt versteckt sind, lernt er neue Angriffe, die gleich doppelt nützlich sind: Zum einen erweitert er sein Arsenal um weitere Techniken, die im Kampf gegen starke Gegner sehr von Vorteil sind, zum anderen kann Juan diese Techniken auch verwenden, um bestimmte Blöcke zu zerstören und an schwer erreichbare Orte zu gelangen. Dadurch entwickelt sich eine interessante Balance aus Kampf- und Plattform-Elementen.
Der Wechsel zwischen den beiden Welten ist im Spiel ebenfalls ein wichtiges Element: Manche Gegner können nämlich nur in einer bestimmten Welt verletzt werden. Befindet man sich in der falschen Welt, werden die jeweiligen Gegner als schwarze Silhouetten dargestellt, die nicht angegriffen werden können, aber Juan immer noch Schaden zufügen können. Hinzu kommt, dass bestimmte Plattformen nur in einer bestimmten Welt erscheinen, wodurch die Weltenwechselmechanik auch in Plattform- und Puzzle-Abschnitten zum Einsatz kommt.

Aber was, wenn man sich auf seiner Rettungsmission einsam fühlt und gerne etwas Unterstützung hätte? In dem Fall können bis zu drei Spieler mitspielen, sodass man sich im besten Fall mit einem Viererteam Carlos Calacas Armee stellen kann. Leider kann man aktuell nur offline im Mehrspielermodus spielen.

Farbenfrohe Level, witzige Dialoge, liebevoll gestaltete Charaktere, spannende Kämpfe und herausfordernde Plattformabschnitte machen Guacamelee zu einem Spiel, das nicht nur einen Riesenspaß macht, sondern auch einen humorvollen Einblick in die mexikanische Kultur gibt.

Wer Juan bei seiner Rettungsaktion unter die Arme greifen will, kann, sowohl für die Switch als auch die Playstation 4, die „Guacamelee One-Two Punch Collection“ ausleihen. Diese enthält die Spiele „Guacamelee“ und „Guacamelee 2“ inklusive aller DLCs.

Gaming-Scout: Verena

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